Vorstellung von Verein AURORA

Montag, 13. April 2026 19:00-21:30, Grand Garage, Peter-Behrens-Platz 6, 4020 Linz, Österreich
Webseite: https://grandgarage.eu
Referenten/innen:

Esther Krömer


Veranstalter:
  • Verena Rohringer

Liebe Mitglieder und Freunde des Clubs, liebe Rotaract-Interessierte!

Beim nächsten Rotaract-Meeting am 13. April 2026 dürfen wir Esther Krömer begrüßen, die uns den Verein AURORA vorstellt. Die Initiative unterstützt und begleitet Menschen, die im Bereich Prostitution tätig sind oder waren, und setzt sich für Wertschätzung, Schutz und neue Perspektiven ein.

AURORA bietet unter anderem Beratung sowie Unterstützung für Personen, die neue berufliche Wege einschlagen möchten.

Kommt vorbei und erfahrt mehr über die Hintergründe, Herausforderungen und die wertvolle Arbeit dieser Organisation. Wir freuen uns auf einen informativen Abend und einen offenen Austausch! ✨

Euer

Rotaract Club Linz Vorstand


Protokoll

Zu Beginn informierte die Präsidentin über ein bevorstehendes Frühjahrskonzert des Rotary Club Linz Donau und Rohrbach, das am Mittwoch (15. April) im Palais des Kaufmännischen Vereins in Linz stattfindet. Unser Club erhielt zwölf Freikarten für die Veranstaltung, die normalerweise kostenpflichtig wären. Die Präsidentin betonte den modernen und unterhaltsamen Charakter des Konzerts und lud die Anwesenden ein, sich bei Interesse an zusätzlichen Karten direkt an sie zu wenden. Auch Begleitpersonen seien willkommen.

Im Anschluss ist Esther Krömer zu Wort gekommen. Sie stellte gemeinsam mit ihrer Praktikantin den Verein Aurora vor. Aurora wurde 2020 von zwei Sozialarbeiterinnen gegründet: Esther Krömer und Anna Weber. Ziel des Vereins ist die Unterstützung von Menschen in der Sexarbeit, insbesondere durch soziale Arbeit, Aufklärung, Vernetzung und niederschwellige Hilfsangebote.

Die Vortragenden erklärten, dass laut Schätzungen zwischen 5.000 und 6.000 Menschen in Österreich in der Sexarbeit tätig sind. Der überwiegende Teil davon sind Frauen sowie Transfrauen. Rund 95–98 % der Sexarbeiter:innen haben einen Migrationshintergrund.

Besonders häufig stammen die Frauen aus:

  • Rumänien,
  • Ungarn,
  • Ländern Südamerikas (z. B. Kolumbien, Peru, Venezuela, Dominikanische Republik), und
  • China,

Die Arbeit mit dieser heterogenen Zielgruppe sei anspruchsvoll, insbesondere da viele Frauen neu in Österreich seien und sich mit Sprache, Behörden und dem österreichischen Sozial- und Gesundheitssystem kaum auskennen.

Seit 2012 gelten Sexarbeiter:innen in Österreich als „Neue Selbstständige“. Dadurch ergeben sich sowohl Vorteile als auch Herausforderungen. Unter Vorteile zählen größere Selbstbestimmung, freie Wahl der Kundschaft, und flexible Arbeitszeiten (kein klassisches Anstellungsverhältnis). Herausforderungen sind jedoch

  • eigenständige Versicherung
  • eigenständige Steuererklärung
  • unregelmäßiges Einkommen
  • komplizierte Behördenwege
  • mangelnde Zuständigkeiten zwischen Institutionen

    Besonders problematisch sei, dass viele Institutionen sich für die Zielgruppe nicht zuständig fühlen.

Die Vortragenden betonten dazu mehrfach, dass viele Frauen Schwierigkeiten hätten, das österreichische Sozialversicherungs- und Steuersystem zu verstehen – insbesondere aufgrund sprachlicher und kultureller Barrieren.

Ein wesentliches Problem sei, dass Arbeit und Wohnen meist am selben Ort stattfinden. Viele Frauen mieten Zimmer in Laufhäusern oder Bordellen wochenweise und wohnen dort gleichzeitig. Die Kosten für ein Zimmer liegen laut Vortrag zwischen 700 und 1.000 Euro pro Woche.

Kritische Faktoren für problematische Arbeitsbedingungen seien unter anderem:

  • fehlende Privatsphäre
  • mangelnde Hygiene
  • kein Zugang zu Küchen
  • Kontrolle durch Betreiber
  • zusätzliche Gebühren (z. B. für Wäsche)

Die Situation unterscheide sich jedoch stark von Haus zu Haus.


Projekte und Angebote von Aurora

  1. Online-Ratgeber „Ramona“: Ein zentrales Projekt des Vereins ist die mehrsprachige Online-Plattform „Ramona“. Das Projekt hat das Ziel SexarbeiterInnen über Arbeits- und Sozialrechte zu informieren. Auch Gesundheitsaufklärung, Gewaltprävention, Vermittlung von Beratungsstellen und niederschwelliger Zugang zu Informationen wären die Hauptziele des Projektes. Die Plattform behandelt unter anderem: Krankenversicherung, Geschlechtskrankheiten, sichere Arbeitspraktiken, Schutz vor Gewalt und Ausbeutung, Unterstützungsmöglichkeiten in Oberösterreich. Die Informationen stehen in mehreren Sprachen zur Verfügung.
  2. Aufsuchende Sozialarbeit: Aurora besucht regelmäßig Laufhäuser und Bordelle in Oberösterreich. Dabei stellen sich die Mitarbeiterinnen vor,  verteilen Informationsmaterial, führen Gespräche, bieten Unterstützung an. Zusätzlich werden kleine Geschenke verteilt, etwa: Hygieneartikel, Duftkerzen, Kondome, kleine Pflegeprodukte. Dies dient laut Vortragenden dem Vertrauensaufbau und der Beziehungspflege. Die Gespräche finden je nach Möglichkeit auf: Deutsch, Englisch, Spanisch oder Rumänisch statt. 


Ergänzend dazu bietet der Verein eine Übergangswohnung für Frauen an, die aus der Sexarbeit aussteigen und sich beruflich neu orientieren möchten. Hier werden sie bei der Jobsuche, beim Bewerbungsprozess sowie durch psychosoziale Beratung begleitet.

Im Vortrag wurde auch deutlich, dass die Gründe für den Einstieg in die Sexarbeit sehr unterschiedlich sind – von finanzieller Not und familiären Verpflichtungen über Migrationserfahrungen bis hin zu neugierde und selbstbestimmten Entscheidungen. Gleichzeitig wurden auch schwierige Themen wie Ausbeutung, Menschenhandel und sogenannte „Loverboy“-Strukturen angesprochen, die in Einzelfällen vorkommen und oft erst nach längerer Vertrauensarbeit sichtbar werden.

Im Anschluss an den Vortrag wurden zahlreiche Fragen gestellt, unter anderem zu:

  • Sicherheitsmaßnahmen in Bordellen
  • Zusammenarbeit mit Betreiber:innen
  • Straßenprostitution
  • Altersstruktur der Sexarbeiter:innen
  • rechtlichen Rahmenbedingungen in Österreich und anderen Länder, usw...

Die Vortragenden betonten mehrfach, dass die Realität der Sexarbeit sehr unterschiedlich sei und pauschale Aussagen schwierig seien.

Zum Abschluss betonte Frau Krömer die Bedeutung von respektvoller Sprache, gesellschaftlicher Sensibilisierung und einem niederschwelligen Zugang zu Unterstützungsstrukturen.

Anmeldung

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